Der Blick fürs Hintergründige

2. März 2012

Kritischer Journalismus kennt kein Format und keine Sendezeit, sondern konfrontiert sein Publikum ebenso laufend wie unerwartet mit harten Fakten und ungeschönter Realität. Eine besonders herbe Prise Enthüllung verspricht „Vera exklusiv“, wenn die Sendung Anfang März „hinter die privaten Kulissen des Ex-Lobbyisten Peter Hochegger“ blickt. Und, soviel sei verraten, es bleibt nicht beim Blick, sie „hinterfragt auch, wie Lobbyisten in Österreich eigentlich arbeiten“. Eine ganze Branche schwitzt. Nicht nur wegen der Temperaturen.

Die Erwartungshaltung ist zurecht enorm, stehen Sendung und Moderatorin doch nicht nur sprichwörtlich, sondern tatsächlich für Aufklärungsfernsehen erster Güte. Es darf auf weitere Glanzstücke in den kommenden Monaten gehofft werden:

  • Noch vor Verabschiedung des Sparpakets schaut „Vera exklusiv“ hinter die privaten Kuliessen von Ex-Innenministerin Maria Fekter, und hinterfragt auch, welche Löcher im Haushalt sie privat besonders nerven.
  • Als Frühlingsspecial wirft die Sendung einen Blick hinter die privaten Kulissen von Ex-Finanzminister-Gattin Fiona Pacifico Griffini-Grasser, und erörtert auch, wie man eigentlich die Düngerkosten für das Gemüsebeet am Balkon von der Steuer abschreiben kann.
  • Internationaler Höhepunkt wird „Vera exklusiv“ und live von hinter den privaten Kulissen von Ex-Diktator-Sohn Kim Jong Un, wo sie nachbohrt, wie Nordkorea Atomwaffen, Unterdrückung und Pferdefetisch eigentlich so leicht unter einen Hut bringt.

Die ZiB2 muss sich warm anziehen.

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Strache tief betroffen über Ableben von Schnuckl

25. Februar 2012

Tief betroffen über das Ableben von Schnuckl am 25. Februar 2012 zeigte sich FPÖ-Bundesparteiobmann HC Strache. „Schnuckl war jemand, den man mit Fug und Recht als freiheitliches Urgestein bezeichnen konnte und der die Werte unserer Gesinnungsgemeinschaft immer gelebt hat“, so Strache. Seine Leistungen für die FPÖ würden unvergessen bleiben. „Schnuckl war zweifellos stets eine tragende Säule der Freiheitlichen. Wir werden ihm ein ehrendes Angedenken bewahren.“

schnuckl

Leistungen für die FPÖ werden immer unvergessen bleiben

Schnuckl wurde am 5. Februar 1918 in Lienz geboren. 1949 wurde er Gründungsmitglied des VdU, dessen Obmann er von 1950 bis 1953 war. Von 1949 bis 1956 gehörte er als Abgeordneter dem Kärntner Landtag an und war dort Klubobmann.

Vom 30. März 1966 bis 4. Juni 1979 war Schnuckl Nationalratsabgeordneter. Er war dort Vorsitzender des Gesundheitsausschusses, außenpolitischer Sprecher des Freiheitlichen Parlamentsklubs, Südtirol-Sprecher und kurze Zeit auch Sprecher für Soziales und Karotten. Außerdem war er Mitglied im Europarat Straßburg.

1968 wurde Schnuckl zum stellvertretenden Bundesparteiobmann der FPÖ gewählt, 1977 wurde er stellvertretender Klubobmann. 1986 kandidierte er bei den Wahlen zum Bundespräsidenten.

14 Jahre lang war Schnuckl Delegierter in der Beratenden Versammlung des Europarates und in der Generalversammlung der Vereinten Nationen und Vorstandsmitglied der Österreichisch-Koreanischen Gesellschaft.

Er erhielt die Große Goldene Möhre für Verdienste um die Republik Österreich*.

Neuer Quotenhit angekündigt

24. Mai 2011

Pünktlich vor dem Finale von Dancing Stars hat der ORF bereits den Nachfolger präsentiert: Bei Drinking (oneself) to the Stars werden sich zehn Durchschnittsösterreicher jeden Freitag unter der Anleitung von professionellen Alkoholikern vor laufender Kamera schwer betrinken. Dem Sieger winken wahlweise eine neue Leber oder VIP-Karten zum nächsten Opernball.

alkohol

Marktanteile im zweistelligen Promillebereich erwartet

„Die Idee ist uns bei der Abschiedsorgie für Alfons Haider gekommen, irgendwann zwischen drei Uhr früh und Sonnenaufgang“, erklärt Generaldirektor Alexander Wrabetz. Die hausinterne Programmabteilung hat das Format mit Hilfe der Betriebskantine innerhalb kürzester Zeit entwickelt, der Start ist für Herbst 2011 geplant. „Die Sendung erfüllt geradezu idealtypisch unseren Bildungsauftrag“, so Wrabetz, der auch den Beitrag von DttS zur Erhaltung der österreichischen Kultur und Identität betont.

Moderiert wird die neue Show von Mirjam Weichselbrand, Auftritte prominenter Gastsäufer sind geplant. Die Zuseher erwartet ein promillestarkes Potpourri aus Standardgetränken, sinnlichen Cocktails aus Lateinamerika und feurigen argentinischen Rotweinen. Eine volltrunkene Fachjury begießt live im Studio die Leistung der Kandidaten, den letzten Schluck hat wie immer im ORF das Publikum.

Dänemark schließt Grenzen

13. Mai 2011

Wenn diesen Samstag in Düsseldorf der Eurovision-Songcontest über die Bühne geht, dann bleibt der Bevölkerung ein Fluchtweg weniger. Die dänische Regierung hat die EU-Innengrenze geschlossen. Der drastische Schritt ist eine Reaktion auf die Schreckensszenen, die sich bereits nach den Vorausscheidungen abgespielt haben.

„Das sind Bilder, die vergisst du nie“, so ein dänischer Zöllner. „Völlig verängstigte Menschen, die nichts mehr haben als das Metallica-T-Shirt am Leib, die im Takt einer Power-Ballade vorwärts taumeln.“ Viele der Flüchtlinge kämen mit leeren iPod-Akkus an der Grenze an, die Ohren vom Zuhalten blutig gescheuert oder das Trommelfell mit Selleriestangen durchbohrt. Immer noch suchen Rettungskräfte in Autobahnraststätten und Dorfdiscos nach Opfern der Fernsehübertragungen.

Rettung oder Populismus?

Die dänische Regierung fordert in einem dramatischen Appell europäische Solidarität: „Unsere Musikindustrie kann diese klangliche Katastrophe nicht allein bewältigen“, erklärte Ministerpräsident Rasmussen. Man überlege daher den Bau einer meterhohen Mauer aus schallschluckenden Eierschachteln.

Dafür erntet Kopenhagen herbe Kritik von Menschenrechtsorganisationen: „Töne, egal wie falsch oder brutal, lassen sich durch keinen Zaun stoppen, solche Maßnahmen sind reiner Populismus“, so Amnesty International. Die Staatengemeinschaft müsse zusammenarbeiten, um die betroffenen Menschen möglichst gut zu beschallen. In Dänemark selbst sind zahlreiche freiwillige Helfer bereits zur Grenze unterwegs, um Flüchtlinge mit homöopathischen Dosen klassischer Musik, etwas Flower Power und dem einen oder anderen Gassenhauer aus den 80er Jahren am Leben zu halten.

borg

Medizinisch höchst umstritten

Weitere Irritationen hat Sänger und Moderator Andy Borg mit seiner Ankündigung ausgelöst, den Musikantenstadl als Erstver-sorgungslager zur Verfügung zu stellen. „Es ist medizinisch nicht absehbar, was die Kombination von Songcontest und volkstümlicher Musik bewirkt“, heißt es dazu von den Ärzten ohne Grenzen.

Indes überlegt Italien seinerseits die Grenzen dicht zu machen. Durch den versperrten Weg nach Norden könnten nun viele Menschen ihr Heil im Süden suchen. „Wir fürchten, dass es zu einem Ansturm auf die Küste und einer Massenflucht nach Nordafrika kommen könnte“, sagte eine 14jährige Sprecherin von Ministerpräsident Berlusconi im staatlichen Fernsehen.

Suchtexperte fordert frühe Aufklärung bei Kindern über den Nutzen von Alkohol

10. Mai 2011

Die Antialkoholiker in Österreich werden immer jünger. Im Grazer Unibeisl etwa wurden im letzten Jahr 260 Jugendliche eingeliefert, nur zwei Drittel mehr als vor zehn Jahren, berichtet irgendwer am Dienstag. Österreichweite Zahlen gibt es nicht.

Experten fordern, dass Kinder schon viel früher über den Sinn und Nutzen von Alkohol aufgeklärt werden sollen. Es fehle eine gesellschaftliche Diskussion zu diesem Thema, die Vorbereitung durch Getränke im Elternhaus, aber auch in Bars, Supermärkten und Schnapsläden, die zu wenig Geld hätten, sagt Suchtexperte Manfred Leberlieb vom Wiener Anton-Prost-Institut. Kinder machten heute erst mit elf, zwölf Jahren erste Erfahrungen mit Alkohol. Viel zu spät.

Viele Jugendliche wüssten bei ihrem ersten Rausch nicht wie Alkohol wirkt, nämlich, dass der Rausch sich nicht parallel zur Trinkmenge entwickelt, sondern ein bisschen später kommt und sind dann enttäuscht. Man müsse damit aufhören den Alkohol deshalb zu verdammen und zum geduldigen Weitertrinken aufrufen. Ein Rausch sei ein Vergnügen, und das müsse man den Kindern auch frühzeitig vermitteln.

flasche

Immer öfter greifen erst Erwachsene zur Flasche

Im Wirtschaftsministerium, das für den Ausschank an Jugendliche zuständig ist, erhofft man sich durch ein einheitliches Jugendtrinkgesetz Besserung. Im Juni soll es eine Einigung geben. Das Gesundheitsministerium hat vor wenigen Wochen eine neue Kampagne mit dem Namen „echt cool“ gestartet, die an Volksschulen über den Spaß mit Alkohol aufklären soll.

Suchtexperte Leberlieb fordert aber auch präventive Doppler für Erwachsene, denn: „Wenn die Erwachsenen keine Promille haben, dann die Jugendlichen schon gar nicht.“